Stellt euch vor, es ist Weltmeisterschaft und keiner geht hin

MyEarlyGame Kolumne Legends of Runeterra
Hat das Genre ausgedient? | © Riot Games

Stellt euch vor, es ist Weltmeisterschaft und keiner geht hin... Nein, nicht Fußball, keine Angst. Aber was wäre, wenn euer Lieblings-Game das wichtigste Turnier des Jahres veranstaltet und eure besten Gaming-Buddies nichts davon wüssten – im schlimmsten Fall nicht Mal, um was für ein Game es da eigentlich geht.

Das Teemo auf dem Cover ist hat hoffentlich für Verwirrung bei einigen von euch gesorgt. Hah! Jetzt habe ich euch hier und dann könnt ihr auch gleich bleiben. Heute geht es nicht explizit um Teemo und nein, auch nicht um League of Legends. Heute geht es um Legends of Runeterra und das Genre der Trading Card Games. Ich habe das Gefühl, dass Letzteres gerade ausstirbt und einerseits finde ich es schade, weil es schon fast paradox ist, andererseits verstehe ich es aber total und sehe es an mir selbst.

Also? Was ist das Problem mit TCG's? Ich denke, das hat vor allem zwei Gründe:

1. Es fühlt sich nicht gut an, wie man Geld ausgibt

Das TCG's mit regelmäßigen Geld-Investitionen verbunden sind, ist seit Magic kein Geheimnis mehr. Will man up-to-date bleiben und die besten Karten haben, muss man einen ordentlichen Batzen in die Hand nehmen. Genau das ist ja das wirtschaftliche Konzept dahinter. Die ältesten Sets fliegen aus der Rotation und werden durch neue ersetzt. So müssen Spieler immer wieder Packs kaufen.

Ich bestreite auch gar nicht, dass das wenig Geld ist und viele können sich solche Investitionen auch gar nicht leisten. Das schließt also schon mal grundlegend eine gewisse Anzahl an potenziellen Spielern aus. Aber was diejenigen, die TCG's prinzipiell spielen, oder spielen wollen, eher stört, ist doch, dass sie nicht selbst bestimmen können, wann sie ihr Erspartes verprassen, oder?

Denkt Mal nach. Selbst, wenn das eher unbewusst passiert – wer möchte schon gerne gezwungen werden, Geld auszugeben für ein Spiel? Und in TCG's kann man ja wirklich von einem Zwang reden. Dabei geben Millionen von Menschen einfach kranke Summen für Games aus, die eigentlich free-to-play sind.

Schaut euch League of Legends an. Die Leute geben hunderte, tausende Euros für Skins aus, die nicht mal was im Spiel bringen, sondern nur das Aussehen der Champions verändern. Das Gleiche in Fortnite, CS:GO – einfach nur Skins. Das müssten diese Leute nicht mal tun, um spielen zu können und für die Summen könnte man wahrscheinlich drei Seasons lang Hearthstone oder Legends of Runeterra zocken.

Aber der Kern ist: Die Menschen geben das Geld zu ihren Bedingungen aus. Sie entscheiden, wann und was gekauft wird und können in der Regel (Ausnahme wären Kisten in CS:GO) genau auswählen, was sie bekommen möchten. Das ist so nicht umsetzbar bei Kartenspielen. Ihr müsst investieren, sobald ein neues Set kommt und wie viel genau ihr ausgeben müsst, entscheidet auch noch der Zufall... Seltene Karten können in Booster-Packs echt laaaaange auf sich warten lassen...

Auch, wenn am Ende viel weniger Geld ausgegeben wurde als für LoL Skins, hat sich die Investition einfach nicht gut und total erzwungen angefühlt. Und wem macht das schon Spaß?

Dieser Grund hält meiner Meinung nach schon mal viele Gamer von Trading Card Games ab. Der zweite Hauptgrund ist:

2. Trading Card Games sind anstrengend und die Community passiv-aggressiv

Wenn wir ehrlich sind, wollen viele von uns doch abschalten am Rechner. Und selbst, wenn wir CS:GO zocken oder in einem LoL Ranked sind, dann müssen wir uns konzentrieren, klar. Aber bei Card Games? Man muss jede Karte und Kombinationen mit verschiedenen Klassen, Planeswalkern oder Regionen und jede Kombination daraus kennen. TCG's basieren darauf, dass man vorausschauend spielt, also Züge durchdenkt. Im besten Fall erahnt man anhand des geballten Wissens und der eigenen Hand, was die nächsten Züge passiert und spielt seinen Gegner aus.

Aber bis es so weit ist, ist nicht nur Geld geflossen, sondern auch viel Zeit vergangen. Selbst gute und sehr gute TCG-Spieler können nicht einfach drauf losspielen, sondern müssen immer wieder diese Denkprozesse durchlaufen. Und das ist anstrengend und selbst, wenn man versucht, so viele Züge vorauszuplanen, kann immer noch alles anders kommen.

Hat man seinen Gegner nicht lesen können und er hat schlecht gespielt, aber zwei, oder drei Züge in Folge die richtigen Karten gezogen, ist das einfach frustrierend. Und wenn so ein Glückspilz dann noch Emotes oder Chat-Nachrichten spammt, wächst nicht nur die Frustration, sondern auch die Wut.

Irren ist menschlich und Fehler passieren den Besten. Aber wenn man einen Fehler macht und dann zehnmal in Folge "Danke", "Danke", "Danke", "gut gespielt", auf dem Bildschirm erscheint, macht es das echt nicht besser. Warum sind die Menschen in TCG's so?

Das sind also meiner Meinung nach die Hauptgründe, die meiner Meinung nach dazu führen, dass Spiele wie Hearthstone und sogar Magic immer mehr aussterben. Die Entwickler müssen sich langsam andere Konzepte überlegen, die die Spieler halten. Oder zumindest Konzepte, wie sich das Geldausgeben, besser anfühlt. Noch besser wäre natürlich, gar kein, oder weniger Geld ausgeben zu müssen. Aber dann müssten Blizzard und co. sich neue Ideen einfallen lassen, mit TCG's Geld zu verdienen...

Im besten Fall läuft übrigens gerade die Legends of Runeterra Weltmeisterschaft, während ihr das hier lest. Ist das Wochenende vom 16. bis 19.9 schon wieder um, dann habt ihr sie wie so viele andere verpasst. Aber keine Angst, es geht und ging wohl 99% der Welt so. Dabei ist LoR zur Zeit echt nice und im Verhältnis für TCG's echt günstig. Aber obwohl LoR von Riot Games, den Esports-Göttern schlechthin, stammt, erfährt es einfach kaum Aufmerksamkeit... Das sagt doch schon alles, oder?