Online zocken in Deutschland – manchmal schwerer als… | EarlyGame
Mit dem Internet in Deutschland ist das auch 2020 noch so eine Sache

Online zocken in Deutschland – manchmal schwerer als gedacht

Gaming
Ladebildschirm
In Deutschland starren wir deutlich länger auf Ladebalken, als in den meisten anderen Ländern. (Quelle: Kedos via YouTube)

Jeder kennt das, man will gemütlich eine Runde mit Freunden zocken, zack… Internet weg. Ein neues Spiel kommt raus – erstmal einen halben Tag lang downloaden. Deutschland ist bei Internetausbau und Geschwindigkeit immer noch ganz weit hinten.

Inzwischen ist es ja schon gar nichts Neues mehr zu hören, wie schlecht das Internet in Deutschland im internationalen oder auch europäischen Vergleich ist. Trotzdem treibt es so manchen zur Weißglut, wenn er gerade versucht ein Spiel zu downloaden oder auch nur über Skype oder ähnliche Programme einen Videocall zu machen. 2019 platzierte Deutschland sich auf Platz 25 der Länder mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit. Das bedeutet, dass wir das Schlusslicht der Industrienationen sind und selbst Länder wie Slowenien, Lettland oder Andorra vor uns liegen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Tabellenführers Taiwan ist fast viermal so hoch wie bei uns.

Internetgeschwindigkeit im Vergleich 2019
Die Top 25 bei der durchschnittlichen Download-Geschwindigkeit 2019. (Quelle: https://www.websitetooltester.com/research/internet-geschwindigkeit/)

Von mobilem Internet wollen wir gar nicht erst anfangen, da schaffen wir es in Deutschland nicht mal unter die Top 40. Der Ausbau wird zwar stetig vorangetrieben, aber im Vergleich zu anderen Ländern sind wir auch hier weit abgeschlagen

Woran liegt das?

Wie es Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft, schon 2019 ausdrückte:

"Was den Digitalausbau in Deutschland angeht, war Alexander Dobrindt mit seinem Ministerium für digitale Infrastruktur ein Totalausfall."

Der Ausbau in Deutschland hat viel zu spät begonnen und die Vergabe von Fördermitteln ist bis heute viel zu langsam und bürokratisch. Mehrfach verfehlte die Bundesregierung bereits ihre eigenen Ziele beim Internetausbau. Bis 2014 sollten 75% aller Haushalte mit 50 MBit/s surfen können, es waren dann aber nur knapp 60%. Auch das neue Ziel, das in Aussicht stellte, dass bis Ende 2018 alle Haushalte diese Geschwindigkeit bekommen sollen wurde nicht erreicht. Auf dem Land hat bis heute nicht mal jeder zweite Haushalt Zugang zu einer 50 Mbit-Leitung.

Breitbandverfügbarkeit in Deutschland 2020
So sieht die Breitbandverfügbarkeit in Deutschland 2020 aus. (Quelle: BMVI)

Ein großes Problem ist, wie gesagt, die komplizierte und langsame Förderung, aber auch die Tatsache, dass unter anderem die Telekom, nach wie vor, auf ihre teilweise 80 Jahre alten Kupferleitungen besteht. Auch wenn der Glasfaserausbau vorangetrieben wird, wird es noch Jahre dauern, bis jeder Haushalt Zugang zu einer vernünftigen Leitung hat.

Welcher Anbieter ist der beste?

In Deutschland gibt es sowohl große Anbieter, die deutschlandweit Anschlüsse anbieten, als auch kleinere regionale Anbieter. Vom Preis und den angebotenen Leistungen gleichen sie sich alle stark. Die größten Anbieter sind die Telekom, Vodafone, 1&1 und O2 – Telefonica. Hier kommt es stark darauf an, wo ihr wohnt. In Ballungszentren habt ihr natürlich größere Auswahl bei den Angeboten und in der Regel auch eine schnellere Verbindung, die sich zwischen den Anbietern aber nicht groß unterscheiden. Auf dem Land habt ihr oft gar nicht die Wahl. Entweder ihr nehmt den Anbieter, der verfügbar ist oder ihr habt kein Internet.

Natürlich hört man oft Sätze wie „Vodafone ist der größte Mist überhaupt!“, dasselbe hört man aber je nach Standort auch von jedem anderen der großen Anbieter. Aus persönlicher Erfahrung können wir dazu rate, wenn verfügbar, einen regionalen Anbieter zu wählen. Im Münchner Raum wäre das zum Beispiel M-Net, in Köln NetCologne oder in Aachen NetAachen. Diese kleineren Anbieter sind nicht für die deutschlandweite Abdeckung zuständig und haben deshalb oft gut ausgebaute örtliche Netze. Auch Störungen lassen sich leichter vermeiden oder beheben und in der Regel ist der Kundensupport auch deutlich besser erreichbar.

Zusammenfassend lässt sich also sagen:

  • Internet in Deutschland ist immer noch mies, das mobile noch schlimmer.
  • Bis etwas an der Förderung des Ausbaues grundlegend geändert wird, bleibt das auch noch länger so.
  • Wer auf dem Land wohnt, hat bei der Anbieterwahl oft keine Optionen und ist aufgeschmissen.
  • Wer schnelles, stabiles Internet möchte und die Wahl hat, bekommt das am ehesten bei kleineren regionalen Anbietern.

Wir hoffen doch sehr, dass sich in nicht allzu ferner Zukunft etwas tun wird und der Ausbau einen großen Sprung nach vorne macht. Bis dahin bleibt uns nichts als wütende Telefonate mit dem Kundensupport und das Beten zum Gott des Internets vor jeder längeren Spielesession.

Weitere spannende News aus der Welt des Gamings, wie zum Beispiel die Spiele-Releases im Juni oder die Auswirkungen von COVID-19 auf die Esports-Branche, findet ihr auf EarlyGame.