HÖRT AUF Streamer zu Idolisieren und zu belästigen! | EarlyGame
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HÖRT AUF Streamer zu Idolisieren und zu Belästigen!

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HÖRT AUF Streamer zu Idolisieren und zu Belästigen!
Die Höhen & Tiefen der Streamer Idolisierung sind zu extrem. (Quelle: Alinity)

In Mythologien wurden Menschen wie Herkules, Achilles, Perseus und Theseus als Halbgötter verehrt. Es wurden Statuen für sie gebaut, Geschichten erzählt und oft waren sie beliebter als die eigentlichen Götter.

Warum?

Weil sie eine menschliche Seite hatten. Sie fühlten sich zugänglicher an. Sogar Personen aus dem 'wirklichen Leben' stiegen in den Status von Gottheiten auf, da ihre Geschichten mythisiert wurden: Zum Beispiel Mutter Theresa, Gilgamesch, Buddha und, ja, Jesus von Nazareth.

Damals war das Teilen von Legenden und Geschichten das Äquivalent des Fernsehens und diese Figuren das Äquivalent von Prominenten.

Habe ich Jesus gerade einen Promi genannt? Ja, ja, das habe ich. Heute geht's rund.

Über die Promis der Moderne wird zwar nicht gleich eine Bibel geschrieben und auch Statuen haben sie keine, dafür aber Social Media und teilweise sogar kleine Kulte. Celebrities sind auch heute noch überlebensgroß. Und genau das ist das Problem.

EarlyGame Talk: HÖRT AUF Streamer zu Idolisieren und zu belästigen!
Hier ist ein Witz: Wie viele Polizisten braucht man, um ein Kate Moss-Plakat hochzuhalten? (Quelle: @Jason Cuddy /Demotix)

Überlebensgroß. Was für eine gefährlichs Label, besonders wenn man es auf junge Leute anwendet und genau hier kommen Gamer ins Spiel:
Gamer haben eine ziemliche Metamorphose durchgemacht. Sie wurden von "dick", "dünn", "nerdy" und "uncool" zu durchtrainierten, vollbusigen, charismatischen, selbstbewussten Fashion-Killern mit Millionen auf ihren Bankkonten.

Sie sind die neuen Berühmtheiten. Sie haben eine unglaubliche Reichweite und das, obwohl sie erst 18-20-irgendwas Jahre jung sind. Ich weiß, dass viele von euch jüngeren Lesern das nicht gerne hören, aber das ist immer noch ein Alter, in dem man sich zu einem vollwertigen Erwachsenen entwickelt. Erfolg und Idolisierung in dieser Größenordnung in so einem Alter ist... gefährlich.

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Keine Sorge, manche Leute brauchen 74 Jahre um sich in einen vollwertigen Erwachsenen zu entwickeln. (Quelle: Shutterstock)

Diese Art von Reichweite, diese Art von Plattform... der Druck, gemocht zu werden, unterhaltsam zu sein, in der Öffentlichkeit zu stehen. Das wirkt sich auf eine sich entwickelnde Psyche aus, und – so dumm es auch klingt, das sagen zu müssen:
Diese Menschen sind bloß Menschen. Sie sind echte – sehr echte Menschen.

Das vergessen wir oft.

Wir idolisieren und mythisieren sie, aber im Gegensatz zu Herkules oder Perseus, im Gegensatz zu James Bond oder dem Terminator sind das keine gespielten Rollen oder bloße Geschichten. Wenn du mit Ninja interagierst, interagierst du auch mit Tyler Blevins. Keine Statue. Keine Rolle. Kein Mythos. Eine reale Person.
Wenn du mit Reckful interagiert hast, hast du auch mit Byron Bernstein interagiert. Als die Leute Byron im Live Stream sagten, er solle sich umbringen...

Ihr habt einer echten Person gesagt, sie soll sich umbringen!

Das ist kein Schauspiel, keine 'Story', kein Film. Das ist ein junger Mann, der sich in seine tägliche Arbeit einloggt, was zufällig Unterhaltung für anonyme Massen ist, die durch das Massen-Mainstream-Entertainment so desensibilisiert wurden, dass sie vergessen haben, dass das echte, direkte Interaktion ist. Dieses 'Cyber-Bullying' ist echtes, sehr reales Mobbing und die Verantwortlichen sollten dementsprechend zur Rechenschaft gezogen werden.

Streamer sind keine Gottheiten. Sie sind echte Menschen, und zwar sehr, sehr junge noch dazu.

Es ist leider zu leicht, das zu vergessen. Wir vergessen oft, dass selbst die Schönen und Wohlhabenden meist einfach nur wie wir alle sind. Die 26-jährige Streamerin Ohlana hat vor kurzem Selbstmord begangen, und ein Aspekt, der einfach nicht übersehen werden kann – da er eklatant hervorsticht – ist ihr gutes Aussehen.

Early Game Schnack Ohlana
Ich hoffe, du ruhst nun in Frieden, Ohlana. (Quelle: Ohlana)

Dieses Erscheinungsbild in Verbindung mit einer Reichweite von 100.000 auf Twitch und einer erfolgreichen Karriere mit nur 26 Jahren macht es leicht zu vergessen, dass es sich hier um eine echte Person mit echten Problemen handelt. Aussehen und Ruhm sind keine undurchdringliche Panzerung. Ja, diese Leute sind nicht am Verhungern. Ja, sie befinden sich nicht im Krieg. Aber wenn wir so denken, dann gibt es immer jemanden, dem es schlechter geht. Einstein war schon auf dem richtigen Weg, als er sagte, es sei alles relativ. Relative Probleme sind echte Probleme, und die "Reichen und Schönen" haben sie auch. Und das ist ein weiteres Problem beim Streaming:

Ein Streamer lebt buchstäblich von der Aufmerksamkeit. Jede Aktion, die Aufmerksamkeit erregt, ist automatisch ein Gewinn für die eigene Marke. Als Ohlana also mit einem traurigen Emoji erklärte, dass sie "Liebe braucht", war es nur allzu leicht, sie als privilegierte und genetisch begünstigte Frau zu betiteln. Eine, die behauptet, sie brauche Liebe und lediglich die "Göttin" spielt, die auf devot macht und "Simps" zu hingebungsvollen Botschaften ermutigt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn wir so denken, versäumen wir es - oder in ihrem Fall haben wir es auf tragische Weise versäumt - zu erkennen, dass dies tatsächlich ein Hilferuf und ein Bedürfnis nach Liebe sein kann.

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Hinter all dem Blitzlicht, all dem Glamour ist, vor allem im Streaming, die Barriere fast nicht existent: Der Kontakt und die Interaktionen sind direkt. Damit meine ich nicht, das alle nur noch Blumen, Rosen und mehrere tausend Dollar Spenden sollten. Nein. Diese Streamer ohne Frage zu verehren und zu mythisieren, ist in jeder Hinsicht ungesund. Ein 21-Jähriger braucht keine Teenager, die ihm oder ihr den ersten Lamborghini kaufen. Das ist für eine sich entwickelnde Persönlichkeit ein so extremes Hoch, dass das Tief zwangsläufig ein ähnliches Extrem haben muss. Das ist der Grund, warum es so gefährlich ist, wenn so junge Menschen ein so großes Podium und eine so große Macht haben, denn das Publikum rechtfertigt extreme Negativität, indem es auf diese extremen Höhen verweist:

'Sie hat Gazillionen von Anhängern, sie ist schön, er ist durchtrainiert und er ist reich, also können die schon ein wenig Hate vertragen.

Was für ein gefährliches, unausgewogenes Denken das ist. Die Hochs rechtfertigen nicht dasselbe Extrem auf der negativen Seite. Wir müssen die Waage ausbalancieren.

Streamer sind keine Götter. Sie sind echte Menschen. Sie sind keine Statuen, die wir aufbauen können, nur um sie dann zu vandalisieren, ohne dass echte Emotionen betroffen sind.

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